Wäscherolle Leipzig

Da Seifen, waschen und Wäsche irgendwie zusammengehören, begibt sich das Blog für schöne Seife heute auf eine Erinnerungstour der ganz besonderen Art. Es geht fast 45 Jahre zurück nach Leipzig in die Könneritzstraße, die damals (also in der DDR) noch Maurice-Thourez-Straße hieß – benannt nach dem franz. Politiker Maurice Thourez, der von 1900 bis 1964 lebte und als Mitglied der Kommunistischen Partei PCF in der DDR natürlich gern gewürdigt wurde.

Heute, also seit 1992, heißt die Straße wieder Könneritzstraße und sie führt von der Könneritzbrücke (über die Weiße Elster) im Stadtteil Schleußig bis Kleinzschocher. Ihren alten/ neuen Namen verdankt sie dem Kreishauptmann und sächsischen Finanzminister Leonce Robert Freiherr von Koenneritz, der von 1835-1890 lebte.

Nur wie findet man ein Haus, ein kleines Quergebäude in einen Hinterhof, den man vor 45 Jahren als Kind, zusammen mit seiner Mutter, das letzte Mal betreten hat? Und warum überhaupt diese Straße? Wozu und was hat das mit dem Blog für schöne Seife zu tun?

Ganz einfach. Alle zwei /drei Wochen packte meine Mutter unsere ganze Wäsche zusammen und dann gingen wir von der Dammstraße aus, wo wir wohnten, nach links aus dem Haus bis vor zur Kreuzung, dort wieder links und an der Kaufhalle überquerten wir die Ampel und gingen geradeaus in eine dunkle Straße hinein, wo wir nach einer Weile auf der rechten Seite ein Haus betraten und in den Hinterhof gingen. Hier gab es ein kleines Gebäude und darin befanden sich zwei große Maschinen. Zwei riesige Holzkästen, die sich langsam, ächzend und mit viel Lärm hin und herbewegten. Auf einem Tisch daneben lagen viele runde Hölzer, fast wie überlange Nudelrollen, und während sich die Maschinen langsam von einer Seite zur anderen bewegten, umwickelte meine Mutter die leeren Rollen mit der Bettwäsche und den Leinenhandtüchern und steckte diese immer wieder unter die großen Holzkästen. Oftmals nutzte sie beide Maschinen und es gehörte sicher eine Menge Geschick dazu, die Rollen zu umwickeln und im richtigen Moment unter die sich bewegenden Holzkästen zu schieben und gleichzeitig die fertig gemangelten Rollen zu entfernen. Man durfte aber auch nicht alle Rollen rausnehmen! War man fertig, mußte man unbedingt – bevor man seine letzte Wäscherolle rauszog – eine leere Holzrolle reinschieben, damit der schwere Holzkasten sich weiterbewegen konnte.

Wäscherolle Leipzig

Wäscherolle Leipzig

Ja und genauso habe ich es neulich gemacht. Ich ging von der Dammstraße aus nach links und sogar die alte Kaufhalle, inzwischen ein Netto, stand noch da. Einmal über die Straße und nachdem mir ein freundlicher Sachse erklärte, daß die Könneritzstraße früher mal Maurice Thourez Str. hieß, wußte ich das ich richtig war. Der Rest war einfach, weil nach ca. 300 Metern auf der rechten Straßenseite ein Hoftor offenstand und ich den kleinen Schuppen sofort wiedererkannte. Auf der Tür ein Schild: Wäscherolle.

Wäscherolle

Wäscherolle

Ja und wenn Sie mal richtig ordentlich die Wäsche mangeln wollen, so wie meine Mutter vor 45 Jahren, dann müssen Sie an einem Dienstag (von 16-18 Uhr) nach Leipzig in die Könneritzstraße 79 gehen und sich bei Fam. Naehter melden. Es kosten nur ein paar Euro und glauben Sie mir, Sie erden völlig von der Rolle sein.

Wäscherolle Leipzig

Wäscherolle Leipzig

Über erik

Ich bin nur der, der hier schreibt. Die mit den Seifen, das ist Xenia Trost und die hat sich 1000&1 Seife ausgedacht.
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